Kompensationsmuster des Verstandes

 

Der Verstand versucht Probleme zu lösen.

Besonders negative Gefühle können als Problem bewertet werden und es entsteht der Wunsch diese loszuwerden. Da ein Verstand eher mit einem Werkzeug vergleichbar ist und Gefühle nicht kontrollierbar sind, können Problemlösungen nur beschränkt und kurzfristig wirken.

 

Dazu kommt, dass unser Denken meist in der Zukunft oder Vergangenheit weilt und alleine dadurch schon zusätzliche Probleme erschafft. 

 

Sie können das gerne einmal bei sich beobachten: wenn ihr Denken häufig "Ausflüge" in die Zukunft macht beschäftigt es sich i.d.R. mit Ängsten. In der Vergangenheit mit Traumen, Zweifeln, Schuldzuweisungen und Bewertungen. Die Vergangenheit wird analysiert, um in der Zukunft keine Fehler zu machen. Gar nicht dumm, funktioniert aber leider oft nicht.

Lebendiges Leben gibt es nur "Jetzt". Jeden Moment bewusst erleben und wahrnehmen macht unser Leben reich und erfüllend.

 

Der Versuch Gefühle zu kontrollieren ist daher ein Ersatz zum Fühlen und damit Kompensation.

 

 

Kompensationsstrategien wirken meist nur kurzfristig erleichternd, bergen aber langfristig die Gefahr sich immer weiter zu verstricken und seelische wie körperliche Leiden zu erschaffen. 

 

"Negative" Gefühle wie Angst, Leere, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wut sind oft "kontrollierungsbedürftig".

Alle Gefühle gehören zur menschlichen Existenz. Sie steigen im Körper auf und gehen auch wieder; das ist so...Im Laufe eines Lebens entwickelt ein Mensch eine ganz eigene Gefühlspalette, die individuell und je nach Begabung sehr facettenreich sein kann. 

 

Ein Verstand, der Gefühle kontrollieren möchte, bewertet diese. Er versuchte "gute" Gefühle zu bewahren oder zu verstärken und "negative" Gefühle zu unterdrücken, zu vermeiden oder anderweitig los zu werden. Ein häufig genutztes Instrument dazu ist die Ablenkung. Ablenkung vom Hier und Jetzt z.B. über Fernsehen, Social Media, Arbeit, Sucht, Belohnung...u.a.

Kompensiert ein Verstand langfristig unangenehme Gefühle, kann dies bis zur vollkommende Gefühllosigkeit führen, da die komplette Gefühlspalette unterdrückt wird, nicht nur ausgewählte Bereiche.

Auch Symptome wie Schlafstörungen, Panikattacken, Vitalitätsverlust, chronischen Schmerzen können auftreten.

 

Um so mehr Gefühle verdrängt werden, um so unlebendiger fühlt sich ein Mensch. Der geistige und emotionale Radius einer Person schränkt sich immer mehr ein. Für den Körper ein Kraftakt. Er kompensiert so lange er kann und macht sich irgendwann mit Symptomen bemerkbar. Leider ist unser gesellschaftliches Denken noch so ausgerichtet, dass Mensch möglichst schnell wieder funktionsfähig wird. Also möglichst wenig fühlt.

 

In der Kindheit fühlten wir uns oft noch frei und lebendig;  Gefühlskontrolle war zu dieser Zeit noch kein Thema

Im Laufe des Lebens werden soziale Zugehörigkeiten immer wichtiger und damit auch Anpassung, Funktion und Rollenverhalten. 

 

Erst wenn wir Gefühle lernen wieder zu zulassen und sie annehmen können, wie sie sind, werden wir wieder frei und vielleicht so lebendig wir wir einst waren. Viel Spass dabei:)

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